Hinter den sieben Gleisen

Projektentwicklung Zollstrasse

Hinter den sieben Gleisen

An Zürichs best erschlossener Lage entsteht neuer Wohn- und Arbeitsraum.

Auftraggeberin

SBB Immobilien AG

Zeitraum

2010 - 2015

Ansprechperson

Dieter Zumsteg

d.zumsteg@planwerkstadt.ch

+41 (0)44 456 20 11

Stadt Zürich, Hauptbahnhof

An zentral­ster Lage beim Zürcher Haupt­bahnhof gelegen, verfügen die SBB über Land­reserven, die einer gemischten Nutzung zugeführt werden sollen. Als Gegen­über der Europa­allee soll an der Zollstrasse eine Über­bauung entstehen, die den Abschluss des Kreis 5 zum Gleis­feld bildet. Die Stadt Zürich beabsichtigt gleich­zeitig eine Auf­wertung des Strassen­raums. Beide Vor­haben stehen in enger Abhängig­keit. Planwerk­stadt unterstützte die SBB Immobilien während der gesamten Ent­wicklung des Areals Zoll­strasse bei der Nutzungs­diskussion, der Entscheidungs­findung und Durch­führung der geeig­neten Ver­fahren, der Erarbeitung des Gestaltungs­plans sowie bei verschiedenen Veran­staltungen mit der Quartier­bevölkerung. 

Licht am Ende des Tunnels. Die Durchmesserlinie am Hauptbahnhof Zürich konnte am 12. Juni 2014 feierlich als eines der grössten nationalen Bahnbauwerke der letzten Jahre eröffnet werden. Sie verbindet den Tiefbahnhof Löwenstrasse mit Zürich-Oerlikon durch den 4,5 Kilometer langen Weinbergtunnel. Bild: SBB.

Im Juni 2014 wurde mit der Einweihung der Zürcher Durchmesserlinie nach siebenjähriger Bauzeit eines der grössten Bauwerke der letzten Jahre im Bahnsystem Schweiz eröffnet. Das Areal an der Zollstrasse nördlich der Gleise hat damit als Installations­platz für die Baustelle ausgedient. Seit 2017 entstehen hier mit Blick auf das Gleisfeld Mietwohnungen und Büroflächen auf einem Areal von rund 15’000 m2. Im Februar 2015 haben die SBB die Siegerprojekte der Architektur­wettbewerbe präsentiert, welche dem prominenten Ort am Hauptbahnhof ein neues Gesicht verleihen werden. Doch bis zum Bezug der neuen Wohnbauten und Dienstleistungs­gebäude ab 2019 respektive 2020, haben viele Meilensteine definiert und erreicht werden müssen.

RÜCKBLENDE

Seit 2009 wird in mehreren Etappen die Realisierung des neuen Stadtteils Europaallee auf der Südseite des Zürcher Hauptbahnhofs vorgenommen. Das Areal an der Zollstrasse wurde in der Masterplanung zur Europaallee (ursprünglich HB-Südwest, später Stadtraum HB und Eurogate) konzeptionell mitbehandelt, jedoch nicht weiter inhaltlich vertieft.

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Der Installationsplatz für den Bau der Durchmesserlinie hat ausgedient. Hinter den Abschrankungen sind die Bagger aufgefahren für den Bau von Wohn- und Arbeitsraum an der Zollstrasse.

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Als Auftakt zur Projektentwicklung der Nordflanke des Zürcher Gleisfelds gaben die SBB 2010 über den Bereich der Zollstrasse eine Studie in Auftrag. Das beauftragte Zürcher Büro von Ballmoos Krucker Architekten konnte dabei die Machbarkeit einer Bebauung trotz geringer Grundstückstiefe des Areals und weiterer schwieriger Randbedingungen nachweisen. 

Zollstrasse - das Gegenüber zur Europa­allee mit eigener Prägung.

In der Folge ermittelten die SBB 2011 anhand eines Studienauftrags mit drei Teams ein städtebauliches Gesamtkonzept für das Areal. Die künftige Bebauung sollte Bestandteil des Stadtkreises 5 sein und diesen zum Gleisfeld hin abschliessen. Ferner sollte sich die Bebauung als Gegenüber zur Europaallee behaupten, ohne in die gleiche Formensprache zu verfallen. 

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1 WEG, 3 PLÄTZE, 5 BAUMREIHEN, 7 DURCHBLICKE UND 9 BAUTEN

Das 600m lange Areal entlang der Zollstrasse vom Hauptbahnhof bis zur Langstrasse unterliegt der Gestaltungsplanpflicht. Das Beurteilungsgremium hatte das städtebauliche Konzept von agps architecture ltd. und Atelier Girot für die weitere Projektentwicklung an der Zollstrasse empfohlen. Das Konzept liefert Antworten zur verträglichen Dichte im Gebiet und wurde als tragfähige Grundlage für die Überführung in einen Gestaltungsplan erachtet. 

Gestützt auf dieses städtebauliche Konzept haben die SBB, als Haupteigentümerin, gemeinsam mit der Stadt Zürich und der Unterstützung von Planwerkstadt einen privaten Gestaltungsplan erarbeitet. Dieser orientiert sich weitgehend an der bestehenden Bau- und Zonenordnung (BZO). Zudem werden im Gestaltungsplan zahlreiche Aspekte geregelt, die deutlich über die Anforderungen der BZO hinausgehen und so die besonders gute Qualität der Bebauung sicherstellen. 

Am Rand vermerkt

Mit dem Verkauf des Teil­areals Zoll­strasse West erfüllten die SBB die städtische Forderung nach gemein­nützigen Wohnungen. Nach einem Aus­wahl­verfahren hat die Genossen­schaft Kalk­breite anfangs 2013 den Zu­schlag für das Areal erhalten. Der 2014 lancierte Projekt­wett­bewerb «Zoll­haus» soll im offenen Ver­fahren ein Projekt hervor­bringen, das bis 2020 nach den Vor­gaben der 2000-Watt­Gesellschaft errichtet werden kann.
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Der Gemeinderat der Stadt Zürich hat den Gestaltungsplan im Januar 2014 genehmigt und Mitte September 2014 in Kraft gesetzt. Er definiert die bauliche Entwicklung sowie die Gestaltung des Freiraums mit Präzisierungen zu maximalen Gebäudehöhen, bebaubaren Bereichen, Abschluss zum Gleisfeld, Durchblicken/-gängen und öffentlichen Freiraum. Durch die Neubauten auf den beiden Teilarealen Zollstrasse West und Zollstrasse Ost wird der bestehende Nutzungsmix des Quartiers weitergeführt. In den Erdgeschossen befinden sich meist Läden, Kleingewerbe und Gastronomie. In den oberen Geschossen entstehen rund 140 Wohnungen und Dienstleistungsflächen. Öffentliche Plätze und Durchgänge schaffen neue Freiräume im Quartier. In der Verlängerung der Hafnerstrasse entsteht auf SBB-Grund der neue Louis-Favre-Platz mit Anschluss an das Perron 18. Der neue Platz wird über den Rangierweg mit der Zollstrasse verbunden. Dieser ist als Spazierweg entlang der Gleise konzipiert und schafft Erholungsraum für das Quartier und seine Besucherinnen und Besucher.

Schweizer Filmklassiker
«Hinter den sieben Gleisen»
Der Filmklassiker von Kurt Früh aus dem Jahr 1959 zählt zu den erfolgreichsten Schweizer Filmen. Mit Ruedi Walter, Zarli Carigiet und Max Haufler in den Hauptrollen dreht sich die Geschichte um drei Stadtstreicher rund um die Zürcher Langstrasse und den Güterbahnhof mit seinen Lagerhallen. Bild: © SRF/Gloriafilm.

Mit dem privaten Gestaltungsplan erhalten die SBB keine höhere Ausnutzung, als nach geltender Bau- und Zonenordnung möglich ist.

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Eine gute Anbin­dung der Neu­bauten an den Kreis 5 resul­tiert dank funktionaler Glie­derung und differenzierter Nutzung.

Vielfalt in der Einheit

Für die Hochbauten auf dem Teilareal Zollstrasse Ost haben die SBB im Sommer 2013 für die Bereiche «Wohnen» sowie «Dienstleistung» je einen zweistufigen Projektwettbewerb im selektiven Verfahren ausgeschrieben. In der Präqualifikation wurden je acht Teams ausgewählt. 

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Gesucht waren Projektvorschläge für eine nutzungsflexible, wirtschaftliche und attraktiv gestaltete Überbauung gemäss Gestaltungsplan. Die Auseinandersetzung mit dem Ziel der «Vielfalt in der Einheit» sollte in Anknüpfung an das städtebauliche Konzept auf verschiedenen Ebenen erfolgen. Die Gebäude sollten die städtebauliche Anbindung des neuen Areals an das Quartier insbesondere durch eine Höhenstaffelung, Gliederung und Massstäblichkeit gewährleisten.

Die Beurteilung der anonymen ersten Stufe fand Ende 2013 statt. Die Jurierung, der für die zweite Stufe zugelassenen vier Teambeiträge im Bereich «Dienstleistung» resp. drei Teamabgaben für den Bereich «Wohnen», erfolgte im Mai 2014. Als Siegerprojekt für den Bereich «Wohnen» ging «Mount Rushmore» des Zürcher Büros Esch Sintzel Architekten hervor. Die rund 130 Mietwohnungen verteilen sich auf drei unterschiedlich geformte Gebäude mit gestaffelten Höhen mit sechs bis acht Geschossen. Das Projekt überzeugte die Jury durch eine robuste städtische Architektur, die gut im Kreis 5 verankert ist. 

Mitwirkung von Anfang an

Mit dem Einbezug des Quartiers anlässlich verschiedener Veran­staltungen waren die SBB von Beginn weg bestrebt, das Vor­haben transparent zu kommunizieren. Im Vorfeld der Erar­beitung des städte­baulichen Konzepts fand im November 2010 das «Forum Zollstrasse» statt. Empfeh­lungen der Quartier­bewohnerInnen und benach­barten Grund­eigen­tümer flossen, wo vereinbar mit den Zielen der SBB und den Rahmen­bedingungen der Stadt, in den Studien­auftrag ein. Im Juni 2011 hatten am «Echoraum Zoll­strasse» nochmals alle Interessierten eine Platt­form, um zur Planung Stellung zu nehmen.

Zukünftigen Bewohnerinnen und Bewohnern offenbart sich ab 2019 gegen Osten ein spektakulärer Blick auf das Gleismeer. Siegerprojekt/Visualisierung: Esch Sintzel Architekten, Zürich.

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Im Bereich «Dienstleistung» reüssierte das Genfer Büro Made in Sàrl mit dem Projekt «20021819». Das nach dem Geburtsdatum des Bahnpioniers Alfred Escher benannte Gebäudekonzept für zwei neue Bürogebäude formuliert eine souveräne städtebauliche Geste entlang der Perrons am Kopf der Zollstrasse. Die Jury überzeugte vor allem, dass das Projekt mit seinem architektonischen Ausdruck gegen das Gleisfeld als Infrastrukturbau ein starkes Bekenntnis zur Bahn abgibt. Im 2017 sind die ersten Bagger aufgefahren. Innert der nächsten drei Jahre wird eine weitere prestigeträchtige Planung der SBB realisiert. 

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Das neue Dienstleistungsgebäude der SBB wird auf dem Baugrund zwischen Bahnhofhalle Sihlquai und Hafnerstrasse und direkt über dem Tiefbahnhof Museumsstrasse errichtet - eine baulich knifflige Aufgabe. Die gekrümmte Fassade zu den Gleisen dient als Perronüberdachung und nimmt so die Bahnhofsarchitektur auf. Siegerprojekt: Made in Sàrl, Genève, Visualisierung: Philipp Schaerer Images, Zürich.

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Leistungen Planwerkstadt AG
  • Aufarbeitung Planungsgrundlagen
  • Begleitung Machbarkeitsstudie
  • Entscheidungsfindung geeigneter Verfahren
  • Organisation Veranstaltungen mit Quartierbevölkerung
  • Organisation und Begleitung Studienauftrag Städtebau
  • Erarbeitung privater Gestaltungsplan
  • Organisation und Begleitung zweistufige Projektwettbewerbe «Wohnen» und «Dienstleistung» Teilareal Zollstrasse Ost
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Text / Redaktion 
Rebekka Zumsteg
Bilder 
Juliet Haller